Baumschau im Volkspark Bochum Langendreer

Auf den Spuren von Flügelnuss und Götterbaum
Teilnehmer: 5 Kinder, 5 Erwachsene
Referentin: Carola Mallek

Zunächst wurden wir von Carola in die Geschichte des Volksparks Bochum Langendreer eingeführt. Der Park wurde in den 60er Jahren auf ehemaligem Gebiet der Zeche Mansfeld angelegt. Oberirdische Bachläufe wurde unterirdisch verrohrt. Zu dieser zeit war es üblich, exotische Pflanzen in Parks anzusiedeln, wie man sie hier ansonsten noch nicht gekannt hat. Einfach, um etwas Besonderes, Auffälliges zu haben.

Teilnehmer der Baumschau bestaunen die kaukasische Flügelnuss

Unsere erste Station war eine riesige kaukasische Flügelnuss. Wie der Name schon sagt, stammt die Pflanze aus dem Kaukasus. Sie ist extrem wüchsig, deshalb die stattliche Größe bei nur 60 Jahren Wachszumszeit. Die Art liebt feuchtes Gelände, das Gift der Blätter wird zum Fischfang verwendet. Um den ganzen Baum herum treibt überall die sogenannte Wurzelbrut aus dem Boden, eine weitere Maßnahme, sich zusätzlich zu den Samen stark zu vermehren. Die Pflanze ist mit der Walnuss verwandt. Das Holz wird gerne als Furnierholz verwendet, da es wunderschöne Maserungen aufzeigt.

Die gemeine Esche ist ein weniger exotischer Baum. Auch er liebt feuchtere Gebiete, z.B. Hartholzauen. Eschen können bis zu 800 Jahre alt werden. Früher wurde vielfach Futter und Streu für die Haustiere von den sogenannten Schneiteleschen durch regelmäßigen Rückschnitt gewonnen. Das Eschentriebsterben, auch bekannt als Eschenwelke, ist eine schwere Baumkrankheit, die durch einen aus Asien eingeschleppten Pilz verursacht wird.
Auch eine schmalblättrige Esche ist im Park zu finden, bei dieser kann man besonders gut die Veredelungsstelle in Form einer Wulst um den Stamm in etwa 3m Höhe sehen. Beim Veredeln werden zwei Bäume der gleichen Art mit den gewünschten Eigenschaften kombiniert. Eschenholz ist sehr biegsam, ohne zu brechen. Man nennt sie auch Beamtenbäume, Eschen treiben spät aus und werfen dafür ihr Laub wieder früh ab 🙂

Dann ging es weiter zur Schwarznuss, diese stammt ebenfalls aus der gleichen Familie wie die Walnuss. In den USA werden ihre Samen beispielsweise zur Herstellung von Speiseeis verwendet.

Verschiedene Eichenarten sind ebenfalls im Park vertreten. Die Eiche ist mit 400 bis 600 Arten die größte Baumgattung der Nordhalbkugel. In Mitteleuropa sind vermehrt Stil- und Traubeneichen zu finden. Das Exemplar im Park ist eine Hybride aus einer Zerreiche und einer Flaumeiche. Diese Arten bilden weite Wälder in Südeuropa. Auch eine Turnereiche steht bei uns im Volkspark, dies ist eine Kreuzung aus einer Zerr- und einer Korkeiche.
Die Roteiche ist eine Klimabaumart. Als solche bezeichnet man Bäume, die in Zeiten der Klimaerwärmung besser mit den ansteigenden Temperaturen zurecht kommen sollen als andere Baumarten.
Mit dem pflanzen einer Eiche kann man auch viel für die Insektenwelt tun, einen Baum bewohnen mehr als 1000 Insektenarten (nicht Individuen!), über 100 Raupenarten sind abhängig von der Art.

Danach haben wir einen Korkbaum besucht. Der musste natürlich genauer untersucht werden, und wir haben tatsächlich korkiges Material im Stammbereich feststellen können. Die Blätter sollten angeblich beim Zerreiben nach Terpentin riechen, das konnten wir so nicht feststellen. Vielleicht ist dieses Aroma im Frühjahr besser feststellbar. Aus dem Baum wird neben dem Kork auch ein gelber Farbstoff zum färben von Seide gewonnen.

Den Ginkgo kannten alle Teilnehmer. Als botanisches Fossilium hat der Baum einen hohen Bekanntheitsgrad. Er gehört zur Familie der Naktsamer und ist der einzige lebende Vertreter der Ginkgoales, einer ansonsten ausgestorbenen Pflanzen-Gruppe. Der Ginkgo ist zweihäusig, das heißt es existieren männliche und weibliche Pflanzen. Das er ein Nadelgehölz ist, hat alle Teilnehmer verblüfft. Er kann über 1000 Jahre alt werden. In Asien wird der Baum schon lange wegen seiner essbaren Samen kultiviert.

Auch der Mammutbaum war allen Baumfreunden bekannt, wurde jedoch nicht sofort als solcher identifiziert. Drei Exemplare stehen dort in einer Gruppe vereint. Mammutbäume können sehr alt werden, Bäume mit einem Alter von über 3000 Jahren sind bekannt. Mit bis zu 80 Metern Höhe sind es die größten Bäume der Erde. Wilde Vorkommen gibt es in Kalifornien in der Sierra Nevada. Sein botanischer Name, Sequoiadendron giganteum, geht auf den Sherokee-Indianer Sequoyah zurück, der im frühen 19. Jahrhundert die Silbenschrift für die Sprache der Cherokee entwickelt hatte. Eine schöne Geste, den größten Baum der Erde einem Indianer zu widmen, wo diesen doch in der Vergangenheit und auch noch heute großes Unrecht widerfährt.

So langsam wurde es dunkel aber 6 Baumarten sollten noch bestaunt werden. Der Götterbaum ist ein invasiver Neophyt und breitet sich zur Zeit zum Beispiel sehr stark in Berlin aus. Auch im Volkspark finden wir ein Exemplar. Dieses musste jedoch kurz nach der Baumschau einer Baustelle weichen. Die Art ist sehr resistent gegenüber Hitze, Trockenheit, Salz, Herbizide und Luftverschmutzungen.

Auch ein Exemplar einer Ulme konnten wir auf unserem Rundgang bestaunen. Seit den 20er Jahren macht der Ulmensplintkäfer der Art zu schaffen, zusätzlich grassiert ein Pilz innerhalb der Art. Er führte örtlich zum völligen Aussterben der Ulmen. Einige Bäume weisen jedoch eine Resistenz gegenüber diesem Pilz auf.

Der Amberbaum ist ein beliebter Straßenbaum mit Ursprung in Amerika. Im Herbst färbt sich sein Laub wunderschön rot, ebenfalls begeistert er durch seine kugelig-stacheligen Früchte. Von den Teilnehmer wurde angemerkt, das diese ein bisschen wie das Corona-Virus aussehen. Wird der Stamm angeritzt, tritt ein süßliches Harz aus. Die Indianer verwendeten es als natürliches Kaugummi und auch heute noch dient es als Rohstoff für die Kaugummiherstellung.

Die Gleditschie ist ein Schmetterlingsblütler. Auffällig ist ihr Dornen besetzter Stamm. Besonders prägnant sind außerdem die bis zu 30 Zentimeter langen lederähnlichen Schotenfrüchte.

Am Schluss haben wir noch eine Esskastanie und eine Zeder angeschaut. Aufgrund der einbrechenden Dunkelheit konnten wir die Bäume jedoch kaum noch genauer erkennen. Wir erhielten noch die Info, dass die blau-grüne Färbung der Zeder aus optischen Gründen züchterisch verstärkt wurde und man die Früchte der Esskastanie, die Maronen, essen kann. Leider waren die Früchte noch nicht reif, aber alle wollten zum Maronen sammeln wieder kommen.

Ein weiteres Mal ein ganz herzliches Dankeschön an Carola für die anschauliche und kurzweilige Führung durch unseren Volkspark! Alle Teilnehmer konnten viel interessantes Wissen rund um den Baumbestand mitnehmen. Immer gerne wieder!

(Text: Ulrike Hiltawsky)

Finanziert durch das BfN mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

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